„Bei uns werden
alle glücklich sein, und sie werden sich weder empören noch sich
gegenseitig vernichten, wie sie es in Deiner Freiheit allerorten
tun.
O, wir werden sie überzeugen, dass sie erst dann frei sein werden,
wenn sie sich von ihrer Freiheit unserethalben lossagen und sich
uns unterwerfen..." aus: "Die
Brüder Karamasow"
"Die Brüder Karamasow", geschrieben von Fjodor Dostojewski
1878-80, gehört zu den Meisterwerken der Weltliteratur. "Der
Großinquisitor" ist das Herzstück dieses philosophischen Romans,
in dem die Geschichte des Oberhaupts der katholischen Kirche, dem
Jesus Christus begegnet, erzählt wird. Nicht in der Kirche und
auch nicht auf der Strasse findet diese mysteriöse Begegnung statt,
sondern in einem Verlies, einem Ort, wo der Tod gegenwärtiger ist
als das Leben.
Die Russisch-Römische Sauna des Stadtbads Steglitz ähnelt einem
solchen Verlies, verborgen, von mächtigen Säulen getragen, dem
Tageslicht entrückt, dem Leben abgewandt. Der ideale Ort, um dem
vom Alter und Zweifeln gezeichneten Großinquisitor die Chance zu
geben, seine Vision der Kirche gegenüber Jesus Christus zu verteidigen.
Jesus Christus stellt weder provozierende Fragen noch brüskiert
er ihn mit Vorwürfen, aber der Inquisitor weiß, dass er sich zwar
auf Jesus Namen beruft, aber letztlich nur um seine ursprüngliche
Botschaft zu verraten. Dieser programmatische Verrat ist die Lebenslüge
der Kirche. Der Großinquisitor hält daran dogmatisch fest, bis
ihm Jesus Christus erscheint.
Wie soll er jedoch auf seine unerwartete Anwesenheit reagieren?
Er schuldet ihm seine Existenz. Er schuldet ihm sogar sein Weltbild?
Soll er sich erklären? Soll er ihn um Vergebung bitten? Oder soll
er ihn erneut aus der Welt verbannen? Was bleibt ihm übrig? |