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Es ist wahr, ich lache oft, aber ich lache nicht darüber, wie Jemand
ein Mensch, sondern nur darüber, daß er ein Mensch ist, wofür er ohnehin
nichts kann, und lache dabei über mich selbst, der ich sein Schicksal
teile.
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| Georg Büchner |
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| Zur Aufführung
Natürlich werden Sie sich fragen, warum ausgerechnet im Stadtbad
Steglitz „Woyzeck“ inszeniert wird. Weil es das noch nie gab? Weil Woyzeck
am Ende ertrinkt? Weder noch. Wie immer ging es zuerst darum, einen möglichst
ungewöhnlichen Spielort für das neue und inzwischen 10. Stück des clubtheater-berlin
zu finden.
Das Stadtbad Steglitz, 1908 in der Hochzeit des Jugendstil erbaut, ist
ohne Zweifel ein faszinierender Ort. Nur was dort spielen? Ich, Gründer
und Leiter des clubtheater-berlin, lief eine ganze Weile im Bad herum,
ohne eine befriedigende Antwort darauf zu finden. Erst als ich unterhalb
der Apsis im leeren Becken stand und in die gigantische Halle blickte,
fühlte ich mich plötzlich sehr klein, so klein, dass ich glaubte, alle
anderen, die von der umlaufenden Galerie auf mich herabblicken, seien
unerreichbar. Hier unten, dachte ich, könnte so etwas wie der „letzte
Mensch“ Zuflucht gefunden haben, und in diesem Moment fiel mir unwillkürlich
der Soldat Franz Woyzeck ein. Die Abgeschlossenheit und die architektonische
Strenge des Stadtbads erinnerten mich an eine Kaserne. Die um das Becken
gruppierten Umkleidekabinen an militärische Kleinstunterkünfte. Die obere
Galerie an Wachtposten. Und das Nichtschwimmerbecken ließe sich ohne weiteres
mit ein paar Stühlen, Tischen und einem Klavier zu einem Offizierscasino
umfunktionieren. Damit stand der neue Spielort des clubtheater-berlin
fest. |
Maries Kammer |
Gemeinhin steckt man die Figur des Woyzeck in die Schublade "Verlierer
der Gesellschaft“. Dabei ist Woyzeck ausgesprochen intelligent.
Er ist nicht auf den Mund gefallen, einfühlsam und besonders anpassungsfähig,
was ihm beim Militär sehr zu Gute kommt. Und er ist frei
von Neid und Missgunst, was geradezu beneidenswert ist. Ein großes Kind,
ausgestattet mit einer guten Portion Lebensmut und Lebenslust, dem die
starren Regeln des Militärs nicht viel anhaben können. Ein Typ, der durchaus
dem aktuellen Männerideal entspricht: geschickt, aber kein Macho, fantasievoll
und einfallsreich, aber kein Aufschneider - einer, mit dem man gerne
ein Bier trinken würde ... Und so lag es nahe, die Rolle des Woyzeck
mit einem lebensmutigen Südländer zu besetzen anstatt mit einem schwerblütigen
Deutschen.
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Woyzeck (Fancellu)
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Unsere Version des Büchner-Stücks spielt im Hier und Jetzt. Woyzeck
leistet gerade seinen Grundwehrdienst ab. Logischerweise ist er zu dieser
Zeit knapp bei Kasse. Dann verliebt er sich in eine hübsche Frau namens
Marie, die ebenfalls knapp bei Kasse ist. Sie kommen sich näher, Marie
wird schwanger, bekommt ein Baby, und plötzlich muss der schlecht bezahlte
Soldat Woyzeck alle drei Personen auf einmal durchbringen. Was bleibt
ihm übrig? Er nimmt ohne große Bedenken Gelegenheitsjobs an. Da gibt
es einen verknöcherten gelangweilten Hauptmann, der sich gerne reden
hört. Den darf er täglich gegen Bezahlung rasieren. Nicht zu vergessen
den ambitionierten Doktor, der noch mal ganz groß rauskommen will. Was
ihm jedoch fehlt, ist ein menschliches Versuchskaninchen für seine wissenschaftlichen
Experimente. Auch dafür gibt sich Woyzeck her, denn das tägliche Erbsengericht,
das er im Rahmen des Experiments essen muss, spart neben dem zusätzlichen
Verdienst auch noch Kosten. Kurzum: Woyzeck arrangiert sich mit den Umständen
und Umständlichkeiten relativ gut.
Doch dann taucht ein neuer Tambourmajor in der Kaserne auf. Der war versetzt
worden – vermutlich wegen ungebührlichen Benehmens. Der Major ist ein
Sunnyboy aus reicher Familie. Militärischer Dienst ist ihm verhasst. Er
liebt Frauen, Musik, Alkohol und schöne Uniformen. Natürlich läuft ihm
über kurz oder lang Marie über den Weg, natürlich verguckt er sich in
sie, und natürlich ist Marie auch nicht ganz unbeeindruckt ...
Wenn der Major Marie mit teuren Geschenken in seine Kammer lotst, so
dass die Vorgesetzten sich über Woyzeck in aller Öffentlichkeit lustig machen,
verliert Woyzeck unweigerlich seinen inneren Halt. Eifersucht und Angst
vor dem drohenden Verlust machen aus dem liebenswürdigen Woyzeck ein Monster.
Seine Vorstellungskraft gebiert plötzlich nur noch Albträume von Mord
und Totschlag. Maries Zauber, ihre roten Lippen, ihre Leidenschaftlichkeit
entpuppen sich als Gefahr für sein Seelenheil. Anstatt jedoch seine Wut
gegen den Major zu richten, greift er Marie an, zerstört er seine einzige
Liebe und damit seine eigene Existenz. Denn was ihm bleibt, als er aus
seinem Todesrausch erwacht, ist ein verwaistes Kind, dem er kein Vater
mehr sein kann. Er flieht ...
Die Geschichte erinnert gleichermaßen an Hamlet und Othello, der eine,
der seinen Vater rächt, und der andere, der aus blinder Eifersucht seine
Geliebte tötet. Beide lassen sich hinreißen von Ihrer ausufernden zerstörerischen
Fantasie. Woyzeck ist jedoch im Gegensatz zu seinen klassischen Vorbildern
weder Prinz noch Feldherr, sondern ein einfacher Soldat, ein Mensch wie
du und ich - aus unserer Welt.
Wir würden uns freuen, wenn wir Sie ab dem 10. Februar bei zivilen Getränken
und entsprechender Musik im Stadtbad Steglitz begrüßen dürfen. |
Woyzeck (Fancellu)
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| Premiere: |
Freitag, den 10. Februar 2006 um 20.30 Uhr |
| Schauspiel: |
Gerolamo Fancellu (Woyzeck), Ana Filipovic (Marie), Gerhard von Druska (Hauptmann), Friedhelm Ptok (Doktor, mehr), Maik van Epple (Tambourmajor), Ralf Ehrlich (Unteroffizier), Peter Fieseler (Andres), Julia Kratz (Margret) |
| Fotos: |
Franz Lohrengel |
| Presse: |
Susanne Voellmann |
| Musik / Komposition: |
Ralf Ehrlich |
| Kostüme: |
Silke Schneider |
| Lichtkonzept: |
Gernot Kayser (mehr) |
| Idee & Regie:: |
Stefan Neugebauer (mehr) |
| Eintritt: |
12€ (ermäßigt: 8€, Schülertarif: 6€) |
Presse zu "Woyzeck"
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