Bad Kleinen
von Daniel Call
RAF-Terroristen auf der Flucht
| Premiere: |
Mittwoch, 17. Oktober, 20.30 h |
| Schauspiel: |
Folke Paulsen, Birgit Pelz,
Bernhard Herzog, Carlo Prada |
| Regie: |
Stefan Neugebauer |
| Kostüme: |
Cordula Korte |
| Verlag: |
Felix Bloch Erben |
Spielort ist eine alte Wäscherei, verlassen,
verwahrlost, mit diversen Ein- und Ausgängen – ein Transitraum.
Letzter Fluchtort eines Terroristenpaares. Er ist einer der letzten,
der der RAF die Treue hält, der sich nicht losgesagt hat, auch
nicht nach der offiziellen Auflösung. Und sie, die ihn begleitet,
die bei einem Banküberfall in Panik einen Polizisten umgebracht
hat, sie folgt ihm nur aus Liebe. Er ist der Mann ihrer Träume.
Sie glaubt felsenfest an die mächtige, alles außer Kraft setzende
Liebe, an das große Abenteuer, an den Neubeginn ihres verkorksten
provinziellen Lebens. Doch sie fliehen nur von einem Ort zum nächsten,
immer in Angst und Ungewissheit, geblieben ist ihnen nur der Traum
von einem Leben im Süden. Zudem ist sie schwanger, glücklich und
unglücklich zugleich, denn er will nichts von Kleinfamilie und
Heim wissen. Sein Leben gehört dem Kampf gegen das Establishment,
egal wie vergeblich oder geradezu sinnlos dieses Unterfangen ist.
Sie muss erkennen, dass er ihr Verderben ist, dass er sie nur braucht,
um sich selbst zu spüren.
Daniel Call gelingt mit diesem Stück ein Blick
hinter die Kulissen des Terrorismus, keine Heroisierung oder Idealisierung.
Der Terrorist als Verzweifelter, der verbissen an seinen Überzeugungen
festhält, der wider alle Erfahrung mit Blut und Bomben wachrütteln
will. Als sie von einem Sicherheitsdienst ausfindig gemacht werden,
und ihre Fotos in den Tageszeitungen erscheinen, entpuppt sich
auch die Wäscherei als Falle. Sie sitzen fest.
Ähnlich wie Grams und Hogefeld, die von der Politik, den Medien
und dem BKA zu Topterroristen erklärt worden sind, um jeden Einsatz
legitimiert zu wissen, wird auch das Terroristenpaar bei Call verfolgt. „Bad
Kleinen“ ist überall dort, wo der Staat seine Macht missbraucht.
Der Titel des Stücks leitet sich von einer Festnahme
auf dem Bahnhof Bad Kleinen, Mecklenburg-Vorpommern, im Jahr 1993
ab. Bei diesem Polizeieinsatz waren ein GSG-9-Beamter und der Terrorist
Wolfgang Grams ums Leben gekommen. Grams soll sich nach einem Schusswechsel
auf den Gleisen umgebracht haben. Birgit Hogefeld, seine Begleiterin,
wurde verhaftet.
Kolibri: Toll Deine Freiheit. Frei wie ne Henne
in 'ner Legebatterie. Manchmal stell ich mir vor Stammheim oder
Bruchsal oder Moabit das muß alles echter Luxus sein verglichen
mit Deiner Freiheit hier!
Adler: Geh doch! Dich hält keiner auf!
Presse zu "Bad Kleinen"
|
|