Das letzte Band
von Samuel Beckett
Tonbänder, Alkohol, Bananen
| Premiere: |
Mittwoch, 19. September, 20.30 h |
| Schauspiel: |
Friedhelm Ptok |
| Regie: |
Stefan Neugebauer |
| Verlag: |
Fischer Verlag |
Samuel Beckett, ein Romantiker!
Krapp’s last tape, 1958 uraufgeführt, ist eher ein Hörspiel
als ein Schauspiel.
Ein alter Mann, der jährlich zu seinem Geburtstag über sein Leben
Bericht erstattet. Das Tonbandgerät als Menschenersatz.
Anstatt jedoch das letzte Band zu besprechen, lauscht Krapp
lieber dem Abschied von der Liebe, wie es in seinem akribisch
geführten Register heißt.
Als er in jungen Jahren mit den Aufzeichnungen seiner geheimen
Gedanken, Ambitionen und Hoffnungen begann, ahnte er nicht, dass
er sich auf diese Weise unweigerlich den Menschen entzog – genauer
gesagt den Frauen, die er über alles liebte, wie er glaubte.
Ihnen gehörte neben der Kunst, der er sich endgültig in seinem
39. Jahr verschrieb, ein wesentlicher Teil seiner Aufmerksamkeit.
Krapp hielt sich für einen Frauenkenner, und er sah sich nicht
ohne Stolz in der Nachfolge eines Don Juan. Immer auf der Suche
nach neuen Abenteuern. Gehetzt und geprellt von sexuellem Verlangen.
Er begehrte Frauen, verführte Frauen, aber seine Erfüllung fand
er bei ihnen nicht...
Beckett gelingt mit diesem Ein-Personen-Stück ein Meisterwerk
– nicht über die Liebe, wie man denken könnte, sondern über das
Sterben der Liebe. Er führt das Ende eines verbitterten Mannes
vor, der erst in seiner Erinnerung an ein Ereignis, das über 30
Jahre zurückliegt, zu seinem Herz zurück findet.
... Wir trieben mitten ins Schilf und blieben stecken... Ich
sank auf sie nieder, mein Gesicht in ihren Brüsten und meine
Hand auf ihr. Wir lagen regungslos da. Aber unter uns bewegte
sich alles und bewegte uns, sanft, auf und nieder und von einer
Seite zur anderen...
Sobald Krapp diese romantische Begegnung beim Wiederhören in sich
wach ruft, fühlt er sich eins mit sich und der Welt.
Der junge Krapp war seinem persönlichen Glück wohl nie so nahe
wie bei dieser Bootsfahrt, doch er opferte die Liebe seiner literarischen Erleuchtung, die
ihn zusehends an seinen Fähigkeiten zweifeln und vereinsamen ließ.
.... Siebzehn Exemplare verkauft, davon elf zum Großhandelspreis
an öffentliche Leihbüchereien in Übersee. Werde bekannt... Wagte
mich ein- oder zweimal hinaus, eher der Sommer erfror. Saß schaudernd
im Park, in Träumen ertrunken, und brannte darauf zu enden...“
Krapps letzte Aufzeichnung missglückt. Ihm gehen die Worte aus.
Bei Mozart ist es der Komtur, der Don Giovanni seiner Strafe zuführt,
bei Beckett ist es Krapp’s Bewusstwerdung seines Versagens, die
ihn schweigen macht und schlimmer wiegt als jede Strafe.
Krapp erkennt in der Rückschau, ohne es wahrhaben zu wollen, dass
er sein Leben verwirkt hat. Er wird nie wieder ein Band besprechen.
Der Abschied von der Liebe ist auch der Abschied vom Leben.
Friedhelm Ptok war von 1972 bis 1993 am Berliner Schiller-Theater
engagiert. Seitdem ist er besonders für den Rundfunk und das
Fernsehen tätig. 2003 gewann er für das Kinderbuch "Lippels
Traum" von Paul Maar den Preis für "Hörbuch des
Jahres". Seit 2004 wirkt Friedhelm Ptok bei mehreren Produktionen
des clubtheater-berlin mit.
Presse zu "Das letzte Band"
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