Die Geschichte des Clubtheater Berlin
Im Sommer 2000 habe ich mich mit einer Gruppe von Schauspielern
zusammen getan, um das Stück disco-nn-cted im
Berliner Club Cookies aufzuführen. Die Presse bedachte uns mit
dem Titel Clubtheater und wir griffen diesen Namen unwillkürlich
auf und machten daraus Clubtheater Berlin. Wir hatten
Gastspiele in Hamburg und ein Jahr später brachten wir im neuen
Cookies
disco-nn-ected II heraus.
Da wir von Anfang an ohne Bühnenbild arbeiteten, und den vorgefundenen
Raum zum Dreh- und Angelpunkt der Geschichte machten, lag es
nahe, diese Ausgangsidee auf andere Räume zu übertragen. Als
mir im Herbst 2001 das Sox 36 ihr Schaufenster in der Oranienstraße
anbot, setzten wir bei dem Stück It’s up to you zwei
Schauspieler in das Fenster, die man von der Straße aus
anrufen
konnte. Gegen Bezahlung wurden die Wünsche des
Anrufers umgesetzt:
es wurde gesungen oder gespielt und alle
10 Minuten gab es einen
Werbeblock.
Im Laufe der Jahre haben wir unterschiedliche Räume bespielt, die
immer eine andere Herangehensweise erforderten; u. a. einen Festsaal,
leer stehende Fabrikhallen, einen Sektionshörsaal, eine Schwimmhalle,
ein Ballhaus und zuletzt eine russisch-römische
Sauna. So aufregend
diese Strategie auch war, bei dem einen
oder anderen Ort kam
natürlich der Wunsch auf, ihn nochmals zu bespielen, ihn anders zu interpretieren
- ganz abgesehen von dem logistischen Aufwand, unbekannte Orte
publik zu machen.
Als wir im Winter 2006 im Stadtbad Steglitz Woyzeck von
Georg Büchner aufführten, waren wir alle von der kirchenschiffähnlichen
Schwimmhalle begeistert. Es standen von Anfang an mehrere Ideen im Raum. Als
ich dann noch die anderen Räume des Stadtbad Steglitz kennen lernte
und im Herbst die russisch-römische Sauna zum Spielort für das Stück Der
Großinquisitor von Dostojewski wurde, bot mir die Eigentümerin,
Gabriele Berger, nicht nur ihr Bad als feste Spielstätte an, sondern
auch die künstlerische Leitung
unter dem Motto Kultur im Stadtbad
Steglitz.
Endlich schien es möglich, verschiedene Konzepte für Räume auszuprobieren,
unser Publikum an einen Ort zu binden, erfolgreiche Stücke wieder aufzunehmen,
die installierte Lichttechnik hängen zu lassen, einen Fundus sich einzurichten...
Ab 2007 werden wir das gesamte Gelände des Stadtbad Steglitz in unsere
Planungen einbeziehen. Die Sauna nutzen wir als einen flexiblen Spielort
für Kammerspiele und musikalische Abende, die Schwimmhalle für größere
Projekte und das Café Stadtbad inklusive Innenhof und Kesselhaus soll
nach und nach auch bespielt werden.
Es geht nicht mehr darum, sporadisch Stücke an ungewöhnlichen
Orten zu machen, sondern um ein kontinuierliches Programm. Innerhalb
dieses Programms werden wir erstmals auch andere Künstler und Theatergruppen
präsentieren.
Das Clubtheater Berlin ist angekommen – jedenfalls
geographisch, aber die Räumlichkeiten des Stadtbad Steglitz sind so
vielgesichtig und inspirierend, dass wir in den kommenden Jahre natürlich
weiterhin mit jedem neuen Stück uns neu erfinden wollen. |



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