Mauerkinder
Ein Projekt mit der Deutschen Botschaft in Tirana
(Albanien)

Einladung
Theateraufführung: „Mauerkinder“
30. und 31. Oktober, 1. November 2009, jeweils 19.00 Uhr, Großer
Saal der Kunstakademie Tirana
Gemeinsam mit Schülern des bilingualen Zweigs am Gymnasium Sami
Frasheri sowie mit Studenten der Universität Tirana präsentiert
der Berliner Autor und Theaterregisseur Stefan Neugebauer ein Stück
deutscher Geschichte in einer grotesken Szenencollage.
Ein verrückter Kommunist wohnt in einer Mülltonne am Grenzstreifen.
Grenzkontrollen, kommunistische Parolen, amerikanische Politiker,
Fluchtversuche, Verhöre und nicht zuletzt Touristen – an der deutsch-deutschen
Grenze begegnen sich die unterschiedlichsten Menschen.
Ausgehend vom Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 lädt das
Stück „Mauerkinder” ein zu einer fantasievollen Rückblende auf
die kommunistisch geprägte Vergangenheit Deutschlands. Der Zuschauer
erlebt die Mauer aus der Perspektive der Bürger der damaligen Deutschen
Demokratischen Republik (DDR).
Aus Anlass des 20-jährigen Jubiläums des Mauerfalls hat Stefan
Neugebauer dieses Theaterstück speziell für die Aufführung mit
albanischen Jugendlichen in Tirana geschrieben. Die Parallelen
zur albanischen Geschichte liegen nah und wurden in Form von zahlreichen
Bezügen explizit in das Stück aufgenommen.
Die Schauspieler sprechen nicht nur Deutsch, sondern immer wieder
auch Albanisch, Englisch und sogar ein bisschen Französisch. Deutschkenntnisse
sind für das Verständnis der Handlung nicht unbedingt erforderlich.
Das Stück ist daher auch für das albanischsprachige Publikum verständlich.
Insbesondere Schüler und Jugendliche, aber auch alle erwachsenen
Theater- und Kulturfreunde sind zu den Aufführungen herzlich eingeladen.

Über die Proben
Theaterprojekt: „Mauerkinder“
Nur wenigen war es bisher erlaubt, die Proben zum Theaterstück
“Mauerkinder“ des deutsch-albanischen Theaterprojekts zu erleben.
Dem unbefangenen Besucher bietet sich der Blick auf das kommunistische
Deutschland, wobei das Stück die Parallelen zur albanischen Geschichte
hervorhebt. Ihm begegnen Menschen, deren Leben, Denken und Handeln
von der Existenz der Mauer bestimmt ist.
Der Autor und Regisseur Stefan Neugebauer inszeniert temporeich
absurde, realistische wie auch dokumentarische Szenen an der Berliner
Mauer. Die Collage umfasst den langen Zeitraum vom Bau der Mauer
1961 bis heute.

Pressestimmen
Mauerschau in Tirana
Schüler des Gymnasiums Sami Frasheri, unterstützt von Studenten,
begeistern ihr albanisches Publikum mit dem Theaterstück „Mauerkinder“
Niemals, so ließ Bernd Borchardt, Botschafter der Bundesrepublik
Deutschland in Albanien, wissen, habe er sich träumen lassen, einmal
unter der Flagge der DDR eine Ansprache zu halten. Die Flagge aus
der Zeit der kommunistischen Diktatur gehörte zum Bühnenbild des
Stückes "Mauerkinder", aufgeführt im Theater der Kunstakademie.
Stefan Neugebauer, Autor und Regisseur der „Mauerkinder“, ließ
sich vom Ort der Aufführung inspirieren. Geschickt funktionierte
er die vorderen Logen des Zuschauerraums zu Wachtürmen an der Mauer
um. Überhaupt scheint Neugebauers Talent darin zu bestehen, aus
unscheinbarem Material Funken theatraler Begeisterung zu schlagen.
Binnen eines kurzen Jahres, in dessen Verlauf Neugebauer mehrmals
zu Proben anreiste, formte er aus Laien – allesamt Schüler und
Studenten aus Tirana – eine veritable Theatertruppe und brachte
im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen zum Tanzen. Wer auf Proben
zugegen war, erlebte einen geistesgegenwärtigen Regisseur, der
die Möglichkeiten der Darsteller an den Herausforderungen des Theaterstücks
wachsen ließ und dabei mit wohltuender Ermunterung nicht sparte.
Das Spektakel eröffnet ein wirrer Kommunist im Niemandsland der
Vorbühne. Seine Behausung: eine Mülltonne des Systemkampfs. Enver
Hoxha liegt ganz oben auf. Das Publikum nimmt es dankbar zur Kenntnis.
Plötzlich ist die Mauer da, aufgebaut von Zombies. Die Akteure
im Niemandsland, aber auch das Publikum sind in kommunistischen
Mauern eingesperrt. Der Gefängniseindruck entgeht niemandem, das
hatte man selbst erfahren. Sprachliche Hürden gibt es nicht, denn
Neugebauer setzt die Handlung mal auf Deutsch, mal auf Albanisch,
auf Englisch oder Französisch in Szene.
Zunehmend prägen Uniformierte das Geschehen im Niemandsland. Ihr
Gegenspieler ist ein gestresster Fluchthelfer, überzeugend gespielt
von Ermal Zelaj. Von der anderen Seite der Mauer kommen die Schlachtrufe
der freien Welt. Ein illegaler Grenzübertritt von Westen wird mit
Gewehrfeuer beantwortet. Mit den Mauertoten stirbt der Glaube.
Als die Letzten erschossen oder verhaftet sind, erstarrt die DDR
zum Wachsfigurenkabinett und zur Kulisse beflissener Berlintouristen.
Irgendwann ist die Mauer dann aber doch weg, das Ende der Deutschland-Party
zeigt die Bierleichen. Nicht alles ist einfach gut.
Großer Applaus für Darsteller und Regisseur. Stefan Neugebauers
temporeiche und inspirierte Aufführung bildete einen Höhepunkt
des „Deutschen Oktobers“, der deutschen Kulturwochen in Tirana.
©Wolf Diekmann

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